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Erläuterungen der Fachausdrücke

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A

Austrag

Notariell abgesicherte Bedingungen für die Hofübergabe. Da es keine allgemeine Altersversorgung gab, wurde diese vertraglich bis ins letzte Detail geregelt. Hierzu gehörten Nahrung und Kleidung sowie das Recht auf eigenen Wohnraum und Wärme im Winter. Austrag bezeichnet ferner die Räumlichkeiten für die "Austragler". Nur auf großen Anwesen konnte man ein eigenes Austragshäusl errichten, oft in Verbindung mit Backofen, Werkstatt oder Waschhaus. Meist musste ein Austragsstübl oder eine Kammer genügen.

Austragshaus

Zu größeren Anwesen gehörten in der Regel sogenannte Austrags-, Leibthums- oder Nahrungshäusl, die zeitweise auch als Inhäuser dienten. Bei kleineren Hofstellen musste eine Kammer im Wohn- haus als Austragsstüberl oder gar nur eine Ecke in der Wohnstube genügen.


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B

Biberschwanzziegel:

Aus Ton gebrannter Dachziegel für steilere Dachneigungen (ab 30 Grad); einfachste und älteste Ziegelform: ebene. längliche Platte (15-20cm breit, etwa 40cm lang), unten abgerundet. oben vorstehende Nase zum Einhängen an die Dachlatten.

Böhmisches Gewölbe

Auch als Böhmische Kappen bezeichnet; flache Kuppeln, die von den Berührungspunkten gleich hoher Gurt- und Scheidbögen (Gewölbezwickel) aus über quadratischem Grundriss aufgemauert sind; die Gewölbezwickel ruhen auf Säulen.

Blockbau

Massivbauweise in Holz, bei der die Wände aus Baumstämmen, rund oder behauen, aufgeschichtet werden. Stabilität entsteht durch die Eckverbindungen, für die verschiedene Techniken entwickelt wurden (Verkämmung, Verblattung). Entwicklungsgeschichtlich jünger als Ständerbau. Werkzeugtechnische Voraussetzungen erst in der Bronzezeit gegeben. Zunächst auf den Alpenraum beschränkt, für den Hochbau dort aber erst ab ca. 1 000 n. Chr. dominierend. Klima-geographische Voraussetzungen: Blockbau benötigt viel geradstämmiges, leicht zu bearbeitendes Nadelholz, z.B. Fichte, Tanne. Diese wachsen bevorzugt in feucht-kaltem Klima der alpinen oder Mittelgebirgszonen. Dementsprechend Blockbau in Bayern ursprünglich nur im Alpenrandgebiet. Erst in der Neuzeit allmählich Ausbreitung ins Flachland; hier wiederum im Osten stärker als im Westen.

Bundwerk

Sichtbare Zimmermannskonstruktion an Giebel- oder Scheunenwand, wobei die Anordnung von Verstrebungen über das statisch notwendige Maß hinaus zur Schmuckform weiterentwickelt wurde. In Oberbayern vier Hauptverbreitungsgebiete:

1) Werdenfelser Raum: Giebelbundwerk, besonders reich gestaltet durch Schnitzereien und Malereien (,,Zierbund");

2) Rand- und voralpine Einhöfe zwischen lnn und Lech: Einfacheres Bundwerk am Scheunenteil;

3) Hof des Salzburger Flachgaus: Einfaches Giebelbundwerk;

4) Nordöstliches Oberbayern: Bundwerk an allen Wirtschaftsgebäuden, besondere Blüte 1. Hälfte d. 19. Jhs. am ,,Bundwerkstadel" (Anordnung von Gitterbundwerk, kunstvolle Ausbildung der Knotenpunkte, künstlerische Gestaltung durch farbenfrohe Bemalung).


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D

Dachdeckung (allgemein)

Deckungsmaterial: Abhängig von natürlichen Voraussetzungen (Klima, Geologie). Bei entsprechenden geologischen Vorkommen Natursteinplatten (Gneis, Kalk- oder Tonschiefer) oder aus Ton gebrannte Dachziegel (vgl. Ziegeldeckung); ansonsten Holzschindeln (Leg- bzw. Nagelschindeldeckung) oder Stroh bzw. Reet (vgl. Strohdeckung). Konstruktion stets nach dem gleichen System: Sparren oder Hafen tragen längslaufende Stangen (Dachlatten), auf denen Deckungsmaterial aufgelegt und ggf. befestigt wird. Einzelelemente der Deckung (Ziegel, Schindeln, Strohbüschel) liegen in horizontalen Reihen schuppenartig übereinander, so dass eindringendes Regenwasser durch die nächstunteren Schichten immer wieder nach außen geleitet wird. Vorhandenes Deckungsmaterial bedingt Dachneigung und damit die Konstruktion des Dachstuhls.

Deutscher Schlot s. Rauchabzug


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F

Falzziegel s. Ziegeldeckung

Falziegel

Aus Ton gebrannter Dachziegel, maschinell hergestellt; Speziell geformte Falze an den Rändern verhindern, dass das Regenwasser durch die Fugen eindringt. Seit der Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert) lösten im Bayerischen Wald die Falzziegel häufig die arbeitsaufwendigeren und feuergefährlichen Legschindeln als Dachdeckung ab. Um die erforderliche Dachneigung von 30 Grad zu erreichen, musste das Dach angehoben werden.

Feuerstellen s. Herd, Ofen

First

Oberste Kante des Daches; Stelle, an der beim Satteldach die beiden Dachhälften zusammentreffen.


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G

Guate Kammer

Auch "schöne Kammer" genannt; repräsentativ ausgestattete Schlafkammer, meist im OG des Bauernhauses. Hier standen die reichverzierten Möbel der Brautausstattung, der Raum wurde selten zum Schlafen benutzt, sondern diente in erster Linie zur repräsentativen Aufbewahrung der Aussteuer und anderer kostbarer Dinge.

Gerechtsame

Das zunftmäßig erteilte Recht, ein Gewerbe zu betreiben (z.B. Mühlgerechtigkeit, Schuhmachersgerechtigkeit, Wagnersgerechtigkeit etc.).

Giebel

Das vom Satteldach begrenzte Dreieck an den Schmalseiten eines Gebäudes.


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H

Hauslandschaft

Geographischer Bereich, der in der Vergangenheit (d.h. vor der Technisierung) durch einen gemeinsamen Haus- bzw. Hoftyp geprägt war. Natürliche Bedingungen (Klima, Geologie) sind maßgebend für die natürlich vorhandenen Baustoffe (Holz, Lehm, Stein) und für die Formen der bäuerlichen Wirtschaft, die zwei wichtigsten Faktoren für Entstehung und Verbreitung von Bauformen.

Hafen (auch Roten)

Beim Pfettendach vom First zur Traufe verlaufende Hölzer, welche die Dachdeckung tragen, ähnlich den Sparren des Sparrendaches, jedoch lose aufliegend und nur auf Biegung beansprucht. Im heutigen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung Sparren bei beiden Dachformen üblich.

Herd s. offener Herd, Sparherd

Hinterlader

Stubenofen, der von einem anderen Raum (meist Küche) gefeuert wird und dorthin seinen Rauch entlässt, sodass die Stube gewärmt wird, aber rauchfrei bleibt. Dieses Heizsystem gilt als wichtigste Errungenschaft der süddeutschen Wohnkultur, etwa ab 15. bis 16. Jh. auch im Bauernhaus. Voraussetzung für Entwicklung der Stube zum zentralen Raum des Hauses.

Höllhafen

In den gemauerten oder gekachelten Ofen eingelassenes Gefäß (Keramik, Kupfer oder Gusseisen) zur Warmwasserbereitung Die Bezeichnung leitet sich her von der "Ofenhölle", der warmen Nische zwischen Ofen und Wand.

Hofgrößen

Mittlere und größere Anwesen, waren bis Mitte des 19. Jhs. nach dem mittelalterlichen Hoffußsystem eingeteilt:
Ganzer Hof oder Maierhof, halber Hof oder Hube, 1/4-Hof oder Lehen, 1/8-Hof oder Bausölde.
Seit dem 16. Jh. gab es auch Kleinanwesen (1/16-Hof oder gemeine Sölde, 1/32-Hof oder Leerhäusl), die nur wenig oder fast gar keinen Grund und Boden hatten.
Bereits ab der Größe eines 1/8-Hofes war oft ein Nebenerwerb notwendig.
Diese Hoffußeinteilung bestimmte das Ausmaß der Abgaben und Leistungen, die ein Anwesen seinem kirchlichen oder adeligen Grundherrn schuldete. Die persönlichen Dienste und Abgaben des Bauern wurden erst 1848 endgültig beseitigt und durch den Bodenzins ersetzt, der nun dem Staat zu zahlen war.
Für die einzelne Hofgröße lässt sich kein einheitliches Flächenmaß angeben, da es starke lokale Unterschiede gab.
So konnte z.B. ein ganzer Hof (durchschnittlich ca. 40 bis 60 ha) auf den ertragreichen Getreideböden des Dachauer Landes nur 20 bis 25 ha groß sein, 1/4-Hof (durchschnittlich 15 ha) dort nur 5 - 7,5 ha. Ein vergleichbares Bergbauernanwesen benötigte infolge der schlechten Boden- und Klimaverhältnisse das 3 - 6fache an Fläche. Bis ca. 1870 war die Maßeinheit für Flächen das Tagwerk (1 Tgw. = 3407,27 qm), danach erfolgte die Umrechnung in Hektar (1 ha = 10 000 qm), allerdings blieb das Tagwerk bis in 20. Jh. als Maßangabe für den bäuerlichen Grundbesitz in Gebrauch.


Hur s. Rauchabzug


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K

Kammer

Hauskundliche Bezeichnung für alle nicht heizbaren Räume des Bauernhauses, die zum Aufenthalt von Menschen (z.B. Schlafkammer) oder zur Aufbewahrung (z.B. Gerät, Vorräte) bestimmt sind.

 


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L

Kienspan

Span aus harzreichem Nadelholz (Fichte, Kiefer); neben dem Öl- und Talglicht bis zur Einführung der Petroleumlampen wichtigste Lichtquelle im Bauernhaus. Starke Rußentwicklung, deshalb sind in alten Stuben Wände und Decke stets stark geschwärzt. In gemauerten Wänden hat man daher für die brennenden Kienspäne sog. Lichtnischen ausgebildet, mit eigenem Rauchabzug zur Küche.

Laube ("Laab'n")

Bezeichnung für den Balkon am Bauernhaus, in einigen Gegenden auch für den Hausflur.

Leibthumshaus Austrag Austragshaus

Legschindeldeckung (vgl. Dachdeckung)

Im Alpenraum und -vorland ehemals weitverbreitete Dacheindeckung. Das hier vorhandene natürliche Baumaterial, leicht spaltbares Nadelholz (Fichte, Tanne, Lärche), ermöglicht die Herstellung von Schindeln, dünne Brettchen (ca. 15-20cm breit, ca. 80cm lang), die radial aus dem Stammabschnitt herausgespalten werden. Legschindeln werden lose aufgelegt, an jeder Stelle mindestens in drei Lagen. Sie werden nicht genagelt; damit sie nicht abrutschen, muss der Dachstuhl flach genug sein (Pfettendach, 18-24Grad). Gegen Abheben durch Sturm werden sie von darübergelegten, horizontal oder schräglaufenden Stangen gehalten, die mit großen Steinen beschwert sind. Ca. alle 5 Jahre muss umgedeckt werden, d.h. der abgewitterte Teil der Oberfläche wird nach innen gedreht; nach viermaligem Umdecken, also ca. alle 20 Jahre, muss die Deckung erneuert werden.


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M

Maserierung

Anstrichtechnik für Möbel und hölzerne Bauteile (Türen, Decke, Treppenwangen und -geländer). Auf hellen, deckend vorgestrichenen Untergrund wird lasierend eine dunklere Struktur aufgetragen und dadurch eine Holzmaserung nachgeahmt. Kam verbreitet ab Mitte des 19. Jhs. in Mode, sowohl zur Verschönerung neuangefertigter wie auch zur Übermalung älterer, farbiger Möbel.

Mittertennhof

Einfirsthofanlage, bei der die von der Traufseite zugängliche Tenne in der Mitte, also zwischen Wohnteil und Stall liegt. Sehr alte Bauform; ehemals weitverbreitet, in Oberbayern heute noch vereinzelt im Hof des Salzburger Flachgaus 4) sowie beim oberschwäbischen Haus In Werdenfels auch mit sog. Firstdrehung, d.h. die Mittertenne ist von der (meist der Straße zugekehrten) Giebelseite her zugänglich. Ursprünglich kein eigener Hausflur vorhanden, also gemeinsamer Eingang für Mensch und Tier über die Tenne.


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N

Nagelschindeldeckung (auch Scharschindeldeckung)

Besonders geeignet für steilere Dachneigungen, da die einzelnen Schindeln durch Nägel befestigt werden. Die Nagelschindel ist mit ca. 10-60 cm Länge kleiner als die Legschindel und auch sorgfältiger gearbeitet. Beim Verlegen genügt eine zweifache Überdeckung: Im Gegensatz zur Legschindeldeckung lassen sich Dachverschneidungen (z.B. Kehlen, Grate) und Dachgauben sauber eindecken. Früher relativ teuer wegen der großen Menge benötigter Eisennägel, daher besonderen Bauten vorbehalten (Kirchen, Schlösser etc.).

Nahrungshaus: Austrag Austragshaus


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O

Ofen

Rauchfreie Heizmöglichkeit für die Stube (s. Hinterladerofen). Früheste Formen als gemauerte Öfen mit Kuppel- oder Tonnengewölbe. Im Bauernhaus ab ca. 17. Jh. auch als Kachelofen, meist kubische Form, manchmal mit zylindrischem oder kuppelförmigem Aufsatz. Ab 19. Jh., vor allem im nördlichen Oberbayern, Feuerungsraum aus ornamentierten Eisenguß-Platten, darüber gekachelter Aufsatz. Ab Mitte 19. Jh. tritt der Sesselofen auf, eine Kombination von Kachelofen und Sparherd. Ab 20. Jh. unter bürgerlichem Einfluß auch im Bauernhaus turmartiger Kachelofen (sog. Berliner Ofen) mit mehreren Durchsichten übereinander. Die beiden letztgenannten Typen meist von der Stube aus befeuert ("Vorderlader"). Sonderentwickung ab Anf. 20. Jh.: Kleine transportable Zimmeröfen aus Eisenguss oder Kacheln (in Eisenrahmen), sodass nun auch andere, kleinere Räume beheizt werden können.

Offener Herd

Aufgemauerter Sockel in der Küche, ca. 50 bis 70 cm hoch, Oberfläche Lehm oder Ziegelplatten. Pfannen stehen auf einem eisernen Dreifuß über dem offenen Feuer, große Kessel hängen an einem drehbaren " Kesselgalgen".

Oberschlächtig

So wird ein Wasserrad bezeichnet, bei dem sich das Wasser von oben ergießt und dabei die Drehbewegung auslöst.


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P

Pfettendach

Sammelbegriff für vielfältige Formen des Dachstuhls, denen eines gemeinsam ist: Die Dachlast (Eigengewicht, Schnee) wird von horizontalen, längslaufenden Balken, den Pfetten getragen; über den Seitenwänden die Traufpfetten, im First die Firstpfette, ggf. dazwischen eine oder mehrere Mittelpfetten. Erkennungsmerkmal: Die Rafen liegen lose auf den Pfetten auf, nur durch Holznagel gesichert oder paarweise am First zusammengehängt (nur auf Biegung beansprucht). Unterstützung der Pfetten in unterschiedlichster Art, z.B. durch Wände (Mauerwerk, Blockwände) oder Holzstützen (Säulen), die stehend oder in der Dachneigung ("liegend") angeordnet sein können. Pfettendach erlaubt alle Dachneigungen, zusammengesetzte Grundrißformen und Dachverschneidungen sind möglich.


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R

Rauchabzug

Im ursprünglich eingeschossigen Bauernhaus entwich der Rauch der Feuerstätten frei in den Dachraum. Als die Häuser ab dem 16./17. Jh. zweigeschossig wurden, mussten die Kammern im Obergeschoss vor dem Rauch geschützt werden. Es entstand die "Hur": Gezimmerter oder aus verputztem Flechtwerk hergestellter raumhoher Kasten ohne Boden und Decke; leitete den Rauch von der Küche ins Dach (Rauchhausanlage). Eine von der Küche aus zu betätigende Klappe ("Hurluck") in der Dachfläche sollte den Rauchabzug verbessern. Eine Rauchkutte verhinderte den Funkenflug ins Dachgeschoss, wo Heu und Getreidegarben lagerten. Deutscher Schlot (18./19. Jh.): Ein großer Rauchfang über dem offenen Herd sammelt den Rauch und führt ihn durch einen sich verjüngenden Schacht über das Dach hinaus. Relativ großer Querschnitt, schwacher Zug, Kaltlufteinfall. Zum Reinigen von innen besteigbar; Material: Holzbohlen, verputztes Flechtwerk, meist jedoch Mauerwerk. Russischer Schlot: Geschlossener Schornstein, steht neben dem Herd und führt mit gleichmäßigem, relativ geringen Querschnitt übers Dach. Starker Zug, Anschluss von Sparherden und Öfen mit eingebauten Zügen möglich. Reinigung von außen. Der Russische Schlot setzt sich im oberbayerischen Bauernhaus erst ab Beginn des 20. Jhs. allmählich durch.

Rauchfang

Über der Herdstelle in die Küche hereinragender unterer Teil des Deutschen Schlots, meist aus kräftigen Balken gezimmert.

Rauchhaus

Haus ohne Schornstein; der Rauch der Feuerstätten zieht frei durch den Dachraum ab (s. Rauchabzug). Vorteile: Konservierende Wirkung des Rauchs auf Dachstuhl und -deckung sowie Trocknung von im Dachboden lagerndem Heu und Getreide. Nachteile: Feuergefahr, geringer Zug. Kaltlufteinfall in die Küche.

Rauchkutte

Schutzvorrichtung über der offenen Feuerstelle im Rauchhaus; soll den Funkenflug ins Dach verhindern. Meist in Form eines nach unten offenen Gewölbes. Material: Holzbohlen oder lehmverputztes Flechtwerk.

Remise

Schupfenartiges Gebäude zum Einstellen von Wägen und Geräten. Entweder als eigener Bau, meist jedoch mit einem anderen kombiniert (z.B. Getreidekasten) oder in Scheune integriert.

Russischer Schlot s. Rauchabzug

Rofen

Vom First zur Traufe verlaufende Holzstangen eines Pfettendaches; Sie tragen längslaufende Hölzer (Dachlatten), auf denen die Dachdeckung (Stroh, Schindeln, Ziegel) aufliegt.


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S

Schablonierung, Schablonenmalerei

Verzierung von Wänden und Decken (auch Möbeln), bei der die Malerei mit Hilfe einer Schablone hergestellt wird: Aus dünner Pappe wird das Ornament in der Negativform herausgestanzt, die so entstandene Schablone auf die zu bemalende Fläche gelegt und das Ornament durch ,,Stupfen" mit den farbigen Pinsel übertragen. Typisch für diese Technik sind die sich stets wiederholenden Muster, als Abschlussfries. als Einzelornament oder flächendeckend verwendet. Mittels mehrerer zusammengehöriger Schablonen lassen sich mehrfarbige Muster herstellen. Außerdem kann der Eindruck einer (teureren) Tapete vor-getäuscht werden. Im Bauernhaus ist diese einfach durchzuführende Technik ab der 2. Hälfte des 19. Jhs. sehr beliebt und noch bis Mitte des 20. Jhs. vereinzelt anzutreffen. Etwa ab den 30er Jahren wird sie jedoch zunehmend durch das noch einfacher herstellbare Walzmuster verdrängt.

Scharschindeldeckung s. Nagelschindeldeckung Schlot s. Rauchabzug

Schopfwalmdach

Auch als Krüppelwalmdach bezeichnet; Dach bei dem der Giebel im oberen Teil durch eine Dachfläche ersetzt ist.

Schrot

Im Bayerischen Wald ursprünglich gebräuchliche Bezeichnung für Balkon; offener Austritt in den oberen Stockwerken. Der Schrot liegt auf verlängerten Deckenbalken auf. Er ist mit einem Geländer oder einer Brüstung gesichert.

· Stangenschrot mit schlankem Vierkantbalken als Geländer

· Balusterschrot mit gedrechselten Holzsäulchen

· Schrot mit kunstvoll gesägten Brettern

· Schrot mit bretterverschalter Brüstung Der Schrot war in erster Linie ein Lager- und Trockenraum, häufig auch ein Ort, an dem Bienenkörbe oder Taubenkobel aufgestellt wurden.

Sesselofen

Kombination von Heizofen und Kochherd (Sparherd). Tritt ab Mitte des 19. Jhs. im Bauernhaus auf. Damit verlagert sich das Kochen in die Stube, zumal damals in der Küche noch weitgehend offenes Feuer und Deutscher Schlot vorherrschen. Der Sesselofen wird typisch für das Wohnen sozial niedriger Schichten (Kleinbauern, Austragler), ist aber auch in größeren Höfen anzutreffen.

Sparherd

Bezeichnung für alle Typen des Kochherds, bei welchen das Feuer unter einer gusseisernen Platte brennt. Diese hat eine oder mehrere kreisrunde Öffnungen, in die Töpfe und Pfannen eingesetzt werden; herausnehmbare Herdringe gewährleisten eine optimale Anpassung an die verschieden großen Kochgefäße. Meist kombiniert mit Backrohr, Wassergrand, manchmal auch mit (separat befeuerten) Waschkessel. Vorteile: Holzersparnis gegenüber offenem Herd bis zu 80%,

Stube

Rauchfrei heizbarer Raum (s. Hinterlader); zentraler Arbeits- und Aufenthaltsraum im süddeutschen Bauernhaus.

Sparrendach

Beim einfachen Sparrendach (bis 5 m Spannweite) bilden je zwei Sparren und ein Dachbalken ein unverschiebliches Dreieck; diese werden in etwa 80 cm Abstand voneinander angeordnet. Auf die Sparren werden auf der Außenseite die Dachlatten genagelt. Für größere Spannweiten, wenn die Sparren länger als 4,5 m werden, müssen sie durch einen Spannriegel, den Kehlbalken, gegeneinander abgesteift werden. Bei großen Spannweiten werden die Kehlbalken unterstützt durch einen stehenden Stuhl: Senkrechte Stiele tragen die in Längsrichtung laufenden Rähme, auf die sich die Kehlbalken abstützen.

Stadel

Süddeutsche Bezeichnung für Scheune; Bergeraum für Stroh und Heu

Ständerbau

Gerüstbau; Holzkonstruktionen, bei denen die senkrechten Lasten durch Holzstützen (Ständer) abgefangen werden. Die Ständer sind in regelmäßigem Abstand auf großen Steinen oder auf durchgehenden Schwellbalken angeordnet. Die Wandflächen entstehen u.a. durch Verschalung mit senkrecht stehenden Brettern.


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T

Traufe

Untere parallel zum First verlaufende Kante des Daches

Traufseite

Seite, an der die Traufe verläuft (= längere Seiten eines rechteckigen Gebäudes)

Tenne

Teil der Scheune, der zum Einfahren und Abladen der Erntewagen bzw. vor allem zum Dreschen benutzt wurde. Liegt ursprünglich ebenerdig, quer hinter Wohnteil (Mittertennbau) oder Stall. In Hang lagen erleichtert die Hochtenne im OG die Einfahrt von der Berg seite (Quer-oder Längstenne möglich). Bei ebenerdiger Lage ursprünglich Boden aus gestampftem Lehm; später, vor allem bei Hochtenne, stabiler Boden aus kräftigen Bohlen, die durch eine eigene Unterkonstruktion zusammengespannt werden, so dass keine Fugen entstehen können. Seitlich angebrachte, ca. 80 cm hohe Bohlenwände verhindern, dass das Korn beim Dreschen in die Bergeräume fällt. Umgangssprachlich bezeichnet Tenne häufig die gesamte Scheune.

Tennkastl

Kleiner Getreidekasten in der Scheune, mit der Eingangsseite meist unmittelbar an der Tenne gelegen.

Transmission

Kraftübertragung mittels lederner Treibriemen, die über hölzerne oder gusseiserne Riemenscheiben laufen; auch über weitere Entfernungen möglich (z.B. bei der Mühle oder Säge: Übertragung der vom Wasserrad erzeugten Kraft auf Mahlgang oder Sägegatter). Vorteile gegenüber direktem Zahnradantrieb: Einfache Herstellung und Wartung, geringe Reibungsverluste, leichtes Ein- und Auskuppeln.

Traufe

Parallel zum First verlaufender, unterer Rand des Daches, wo das Wasser abtropft.


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W

Wassergrand

Allgemein: Ortsfestes, aufgemauertes oder aus Naturstein gehauenes großes Gefäß für Trinkwasser. Speziell: Zur Warmwasserbereitung im Herd (,,Grandl", Wasserschiff) oder Ofen eingebauter Behälter aus Blech oder Gusseisen.


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Z

Ziegeldeckung s. Dachdeckung

Der Dachziegel aus gebranntem Ton hat gegenüber Holzschindeln oder Stroh den Vorteil, dass er nicht brennen kann. Verbreitung daher zunächst in den Städten, wegen der dort engen, feuergefährdeten Bauweise. Einfachste und älteste Form: Biberschwanzziegel; ebene. längliche Ziegelplatte (15-20 cm breit, ca. 40 cm lang), unten abgerundet oder spitz zulaufend; oben vorstehende Nase zum Einhängen an Dachlatten. Der Ton wurde von Hand in eine Holzform ,,geschlagen", dann getrocknet und gebrannt. Bei Einfachdeckung (Neigung über 40 Grad) müssen unter die Fugen schindelartige, dünne Holzspäne eingelegt werden; solider, aber schwerer, ist die Doppeldeckung. Beim maschinell hergestellten Falzziegel verhindern speziell geformte Falze an den Rändern, dass das Regenwasser durch die Fugen eindringt. Durch seine Verwendbarkeit auch auf flachen Dächern (bis ca. 20 Grad) wurde er ab der 2. Hälfte des 19. Jhs. in Oberbayern allgemein zum Ersatz für die arbeitsaufwendige und feuergefährdete Legschindeldeckung.

Zierbund s. Bundwerk

Zuhaus

Nebengebäude, meist mit Wohnung für Austrag; oft kombiniert mit Backhaus, Waschküche oder Werkstatt.


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: 03.08.2001